International Software Architecture Qualification Board

Was ist das International Software Architecture Qualification Board (iSAQB)?

Anfang 2018 feierten die fast 130 ehrenamtlichen Mitglieder die Gründung des International Software Architecture Qualification Board (iSTQB). Zehn Jahre ist es her, dass sich in Ludwigshafen am Rhein Fachleute für Software-Architektur zusammenfanden, um den Beruf der Software-Architekten zu fördern, zu stärken und die Ausbildung und Prüfungsordnung hochwertig zu gestalten. 

Ludwigshafen ist noch heute der Sitz des international agierenden Vereins. Die freiwillig engagierten Mitarbeiter des Boards sind Sachverständige aus der Software-Architektur und aus vielen anderen Bereichen. Sie kommen aus Unternehmen, aus denen sie viel praktisches Wissen und Erfahrungen mitbringen. Unter ihnen befinden sich Software-Architekten, Lehrkräfte von Universitäten, Berater, Unternehmer, Trainer, Wissenschaftler, und viele mehr. Ihnen gemeinsam ist die Überzeugung, dass Standards und Vorgaben in der Ausbildung von Software-Architekten den Beruf aufwerten und die Arbeitsergebnisse besser machen. Ziel ist es, die Vorgaben für die Ausbildung und den Einsatz von Standards international zu etablieren und zu festigen. 

Auch wenn das iSAQB heute hauptsächlich im deutschsprachigen Raum tätig ist, zielen seine Aktivitäten auf die internationale Bühne ab. Das iSAQB kooperiert mit etlichen Organisationen der Software-Architektur im Ausland. Darunter befinden sich Schulungsanbieter, Zertifizierungsstellen, Prüfungsanbieter, Trainingsanbieter und wichtige Interessenverbände. Das iSAQB befindet sich in unzähligen Gesprächen mit großen und kleinen Firmen der Software-Architektur weltweit. Seine Mitglieder kommen aus Australien, Ägypten, China, Deutschland, Kanada, Österreich, Polen, Schweden, Schweiz, Tunesien und den USA. 

Was macht das iSAQB? Was sind seine Aufgaben?

Kernaufgabe des iSAQB ist der Aufbau und die Pflege einheitlicher Lehr- und Ausbildungspläne für Software-Architekten (Certified Professional for Software Architecture (CPSA)). Das Board erarbeitet und definiert Zertifizierungsprüfungen und erstellt inhaltlich die Prüfungsaufgaben für Prüflinge. Außerdem kontrolliert das Board gemeinsam mit Zertifizierungsstellen die Einhaltung der Regeln und den sachgerechten Ablauf der Prüfungen. Trainingsprovider, auf Deutsch Schulungsanbieter, wiederum orientieren sich an den vom iSAQB erstellten Lehrpläne für Zertifikate. Sie erarbeiten Schulungsunterlagen für die Vorbereitung der Prüflinge zu den geforderten Themen der Software-Architektur. Auf der Grundlage der Lehrpläne, im Netz auch unter Syllabus oder Curriculum zu finden, entwickeln Trainingsanbieter eigene Programme für den Unterricht von Software-Architekten. Diese können je nach Art und Thematik der Vorbereitung ganz unterschiedlich aussehen. Die meisten Trainings werden als Präsenzveranstaltung angeboten. Diese finden in den Schulungsräumen der Trainingsanbieter statt. Viele Unternehmen, die genug Platz für den Unterricht haben, holen sich Trainer auch in die eigenen Büros und bilden die Mitarbeiter vor Ort aus. 

Ist das iSAQB eine Zertifizierungs-Organisationen?

Das iSAQB erstellt die Rahmenbedingungen für die Vorbereitung sowie Regeln und Vorgaben für die Prüfungsaufgaben für die Zertifikate. Das Board erstellt die Prüfungsordnung und überlässt die Prüfung der Kandidaten unabhängigen Zertifizierungsstellen und Prüfungsanbietern, wie dem International Software Quality Institute (iSQI). Als Prüfungsanbieter organisiert iSQI Termine für Zertifizierungsprüfungen. Die Prüflinge können diese auf der Internetseite www.isqi.org buchen. 

Das iSAQB trennt sehr streng zwischen den verschiedenen Aufgaben und Rollen im Prozess der Zertifizierung. Im Ergebnis stellt das Board dadurch die fachliche und inhaltliche Qualität von Lehre, Aus- und Weiterbildung für Software-Architekten sicher. Deshalb zertifiziert das iSAQB nicht selbst. Insofern lässt sich das Board auch nicht mit Zertifizierungsstellen wie der TÜV oder Dekra vergleichen. 

iSAQB

International Software Architecture Qualification Board

Organisation

gemeinnütziger Verein

registriert in Ludwigshafen/Rhein, Deutschland


Gegründet 2008

127 freiwillige Mitarbeiter

Vorsitzende

Mahbouba Gharbi

Zertifikate

CPSA-F (Foundation Level)

CPSA-A (Advanced Level)

arbeitet an CPSA-E (Expert Level)


In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 11.000 (Stand 2017) Software-Architekten, die über eine CPSA-Zertifizierung verfügen.

Programm

Das iSAQB erstellt Lehrpläne und Schulungsanweisungen für die Ausbildung von Software-Architekten. Gemäß seiner Satzung arbeitet das iSAQB nicht gewinnorientiert, was kommerzielle Interessen anlangt. Es ist unabhängig in Bezug auf technologische Entwicklungen und verhält sich neutral bei der Bewertung von Produkten und Dienstleistungen. Das iSAQB ist Boards wie dem ISTQB (International Software Testing Board) und dem IREB (International Requirements Engineering Board) ähnlich. Das gilt sowohl für den Aufbau seiner Vereinsstruktur, als auch für die  Ziele und Interessen.

Was bedeutet CPSA?

CPSA ist keine Berufsbezeichnung sondern weist, ähnlich wie ein Gütesiegel, als Zertifikat dem Kandidaten bestimmte fachliche Fähigkeiten nach.  Das „C” steht englisch für Certification. Eine Zertifizierung ist ähnlich wie Zeugnis oder eine Urkunde ein Nachweis für erbrachte Leistungen. Und zwar ein Nachweis, der von einem unabhängigen Dritten überprüft wird. Im IT-Bereich erledigen diese Zertifizierungsunternehmen wie die iSQI GmbH. iSQI setzt für diese Überprüfung eigene Prüfer ein. Diese Prüfer durchlaufen selbst ebenfalls eine (natürlich fachliche bei weitem nicht so intensive Ausbildung wie ein Software Architekt) kleine Ausbildung. Die Prüfungen finden entweder in den Firmen, in eigenen Testcentern oder in den Räumen von iSQI statt. Die Testbögen mit den Prüfungsfragen werden von den Prüfern verteilt und ab dann haben die Kandidaten je nach Thema ein, zwei Stunden oder mehr Stunden Zeit, ihre Antworten zu geben. Solche Prüfungen sind „papierbasiert”. Wenn Sie diesen Begriff in Kombination mit dem Zertifikatsnamen, zum Beispiel „CPSA FL”, und „iSQI” bei Google eingeben, dann finden sie Angebote und Termine zu dieser Prüfung. 

Das „P” steht für englisch Professional. Mit einem Zertifikat CPSA in der Tasche beweisen Fachfrauen und -männer ihren Arbeit- und Auftraggebern, dass sie über wichtiges Wissen als Software-Architekten verfügen. Dies gilt im Prinzip weltweit, da sich die Standards von iSAQB durchgesetzt haben. Diese international geltenden Standards stellen sicher, dass Software-Architekten, egal in welchem Projekt und egal in welchem Land die ähnliche Methoden verwenden mit ähnliche Herangehensweisen. Auch die Fachtermini sind in allen Ländern gleich. Das sind sehr wichtige Gründe dafür, warum sich Software-Architekten unbedingt zertifizieren lassen sollten.

Das „S” und das „A” schließlich stehen als Bezeichnung für Aufgabenbereich Software Architecture. Je nach Stufe der Ausbildung wird CPSA um zwei weitere Buchstaben erweitert. FL, AL oder EL, wobei FL für Foundation Level steht, AL für Advanced Level und EL für Expert Level - das sich zur Zeit noch im Aufbau befindet.

Wer lässt sich zertifizieren?

In Frage kommen die Zertifizierungen vor allem für Software-Designer, Software-Entwickler, Software-Architekten und System Analytiker. Zur erweiterten Zielgruppe von CPSA gehören jedoch alle, die im IT-Bereich übergeordnete Funktionen ausüben und das Ineinandergreifen und Zusammenspiel der einzelnen Komponenten steuern wollen. Das heißt, Software-Architekten kommen aus vielen Sparten. Darunter befinden sich Programmierer mit strategischen Fähigkeiten, Entwickler mit systemübergreifenden Interessen, in Konzernen technikaffine Solution-Designer und viele mehr.  

Das Zertifikat Certified Professional Software Architecture Foundation Level (CPSA FL)

Generell lassen sich die Inhalte für CPSA FL so zusammenfassen:

  • Selbständiger und eigenverantwortlicher Aufbau kleinerer und mittlerer System-Architekturen
  • Dokumentation von Aufgaben, Methodik und Stand der Entwicklung
  • Entwicklung des Selbstverständnisses als Software-Architekt
  • Gewährleistung der Systemqualität
  • Begriffsklärung und Standardbegriffe

Voraussetzung für den Prüfling das Examen auf dem Foundation Level abzulegen, gibt es grundsätzlich keine. Die Teilnahme an einem Kurs oder einer Schulung ist nicht notwendig. Der iSAQB empfiehlt dies jedoch, da es in der Praxis unterschiedliche Auffassungen bei den Zielen unterschiedlicher Software-Architekturen gibt und die Standards über Lehrpläne des iSAQB vermittelt werden – nicht durch die Praxis und beliebige Anwendung von Methoden und Tools.

Das Zertifikat Certified Professional Software Architecture Advanced Level (CPSA AL)

Das Advanced Level von CPSA baut auf den Wissensstand des Foundation Level auf und setzt dieses dementsprechend auch voraus. 

Das iSAQB hat für die Ausbildung auf diesem Niveau ein Creditsystem entwickelt. Als Voraussetzung für die Prüfung müssen Software-Architekten eine bestimmte Anzahl von Credit Points für unterschiedliche Kompetenzbereiche nachweisen. Insgesamt braucht der Kandidat 70 Credit Points (CP) aus Schulungen zu mindestens drei Kompetenzbereichen. Im jeweiligen Kompetenzbereich muss er mindestens 10 CP eingesammelt haben. 

Erst jetzt kann er beim Examen CPSA AL antreten.

Die Kompetenzbereiche sind in einem Modulkonzept organisiert. Für jeden Kompetenzbereich gibt es Module, deren Inhalte in Schulungen vermittelt werden.

Die Kompetenzbereiche sind:

Methodische Kompetenz – hier geht es um Planung von Architekturen, unabhängig von Technik und Methodik.

Technische Kompetenz – hier wird vermittelt, welche Technik beim Umsetzen von Entwürfen hilft und wie sie eingesetzt wird.

Kommunikative Kompetenz – hier werden Moderationstechniken trainiert, die Präsentation von Ergebnissen und Zwischenständen und geübt, wie Stakeholder und Entwicklungsprojekt gut zusammenarbeiten.

Auf der Seite vom iSAQB https://www.isaqb.org/certifications/advanced-level/cpsa-a-pruefungsordnung/ gibt es zwei Beispiele, die anschaulich zeigen, wie die Architekturbewertung in unterschiedlichen Kombinationen von Credit Points funktioniert. 

Prüfungen für CPSA 

Die Prüfung für das Advanced Level für CPSA legen Sie beim Zertifizierer iSQI ab. Sie können es gerne auf isqi.org buchen. https://isqi.org/de/software-architektur/40-15399-software-architecture-foundation-level-isaqb.html#/sprache-deutsch/prufungsform-papier/zeitverlangerung-nein/2try_exam-na

Sie bekommen danach eine Prüfungsaufgabe zugeschickt. Für die Lösung haben Sie zirka eine Woche (40 Arbeitsstunden) Zeit. Wenn Sie fertig sind, senden Sie die Lösung mit der Dokumentation des Lösungsweges an iSQI, wo zwei Prüfer ein Gutachten erstellen. Vor diesen Gutachtern müssen Sie Ihr Ergebnis telefonisch verteidigen. Das Zertifikat erhalten Sie von iSQI nach bestandener Prüfung. 

Lehrpläne finden Sie auf isqi.org unter dem Menüpunkt Sylabus.

Download: Certified Professional for Software Architecture - Foundation Level
Syllabus
Certified Professional for Software Architecture - Advanced Level
Syllabus

Software-Architekt als Beruf: Für wen eigenen sich die Zertifikate des iSAQB?

Software ist nicht einfach nur Software. Ein Computerprogramm nicht einfach nur „ein” Programm, sondern das Zusammenspiel vieler Teile. Ein Software-Architekt plant und designed wie ein Architekt ein Gebäude. Nur eben digital mit digitalen Komponenten. Er programmiert selbst nicht oder nur wenig und übergibt seine Entwürfe den Programmierern. Diese wiederum programmieren, wie Mauerer das Haus bauen, das Programm bzw. die Programme, die dann in der Summe eine Anwendungs-Software ergeben.

Software-Architekten benötigen ein Studium in Informatik und/oder ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium als Ingenieur. Das ist der Einstieg in den Beruf als Softwarearchitekt. Zum mindestens gilt das in der Praxis. Denn theoretisch kann sich jeder Software-Architekt nennen. Software-Architekt ist kein geschützter Beruf. Mit einem Zertifikat kann ein Software-Architekt jedoch Kenntnisse aus seinem Berufsfeld nachweisen. Auch wenn er mit dem Zertifikat CPSA keinen Berufsabschluss erhält und nach bestandener Prüfung sich auch nur in bestimmten Ländern als „Software Architekt” (hier rät das iSAQB  sich im jeweiligen Land zu erkundigen) bezeichnen darf. 

Exkurs: Ein Board ist … kurz erklärt

Board, dieser Begriff lässt sich nicht einfach mit Vorstand oder Aufsichtsrat, wie im Wörterbuch und in Übersetzungshilfen im Internet wie Google Translator oder Linguee zu finden, übersetzen. Software Boards sind Vereinigungen, die sich für ein bestimmtes Teilgebiet in der Entwicklung von Software einsetzen - der iSAQB für Software Architektur, der ISTQB für Software Testing, das UXQB für Usability und User Experience, IREB für  Requirement Engineering und viele andere Boards zu vielen anderen Themen. Eine Liste der Boards mit denen iSQI zusammenarbeitet, finden Sie auf der Website ????

Boards sind Fachforen und Vorreiter, Marktbeobachter und Bildungsinstitutionen. Sie werden von engagierten Fachkräften freiwillig und unentgeltlich gebildet. Boards kümmern sich vor allem kümmern darum, dass Qualität in die Berufe einzieht. Und zwar Qualität in die Arbeitsbedingungen genauso wie in die Ergebnisse der Arbeit. Sowohl Arbeitgeber profitieren davon als auch Auftragnehmer. Besonders aber profitieren davon Anwender. Die Menschen, die die Programme nutzen. Quality Software Boards gibt es heute auf der ganzen Welt. Sie erreichen eine Aufwertung von Berufen in Teilgebieten der Softwareentwicklung hauptsächlich durch den Einsatz von Standards. Einheitliches Fach-Vokabular, einheitliche Methoden, einheitliche Ausbildung; das ist kurz gesagt das Rezept von Boards. Natürlich genügt es nicht, Regeln aufzustellen. Regeln machen nur Sinn, wenn sie eingehalten werden. Ein Board versucht dies durch vielfältige und nachhaltige Arbeit. Durch Überzeugungsarbeit in Gremien von Politik und Wirtschaft, durch stetige Lobbyarbeit in vielen Ländern der Welt, durch unabhängige Zertifizierungsunternehmen wie beispielsweise iSQI und natürlich durch den täglichen Beweis, dass Standards Software besser machen, günstiger, leistungsfähiger und sicherer, manifestiert sich auf lange Sicht ein nachhaltige Gedanke in der IT-Wirtschaft.

Wenn Sie in Kontakt mit dem ISAQB treten möchten, melden Sie sich bei der iSQI Product Managerin Corinna Flemming-Vogt. Sie hilft Ihnen gerne weiter.

Corinna Flemming-Vogt

Tel.: +49 331 231810-31

E-Mail: corinna-flemming-vogt@isqi.org

Links:

Internationale Seites des ISAQB: https://www.isaqb.org

iSQQB auf XING: https://www.xing.com/communities/groups/isaqb-international-software-architecture-qualification-board-111d-1028295

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/International_Software_Testing_Qualifications_Board

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